Section: Reviews 44287Autor: Diggi
Datum: 03.01.2020
Bereich: Reviews

...formidabler Start in das Jahr 2020!

Weltunter

VERDERVER

HORNELLA!

Das Jahr beginnt bei uns mit einem schmissigen „Fuck You“ in Sachen Konventionen und Konsens und lädt mit dem völlig irren „Weltunter“ von VERDERVER ein, diese oberflächliche Selbstzerstörungsgesellschaft gepflegt zu hassen. VERDERVER sind C64 und Amiga Bit Wahn, immer wieder wird kranker 56k Elektronika in die wild umher keilenden Songs geschmissen. Das macht das gar nicht so lustige lyrische Grundgerüst fast schon partiell „tanzbar“, ein Tanz auf Gräbern.

‚Vakuum‘ ist ein ADHS Riffer, geprägt von heiserm Keifen und gutturalem Grind Gegöbel. VERDERVER sind definitiv eine Band die keine Retro Gedanken pflegt.  ‚Gebrauchswert‘ startet mit einem unterkühlten Dark Synthie/Wave Setting, der Drummer zerfetzt diesen fast schon schaurig pittoresken Beginn allerdings mit wahnwitzigen Drum Figuren.  Wer jetzt meint, das das hier alles nur auf Teufel komm raus provokant sein soll, der bekommt mit ‚Karteileiche‘ einen fies kriechenden Death/Grinder vor den Latz geknallt, der sich allerdings Tempomäßig zurücknimmt, hier regieren Groove und unbarmherzige Riffwände. VERDERVER sind die neuen Pestvögel des innovativen Extreme Metal, hier wird die Radikalität von den Japanischen Kampfhörspielen, sehr alten Die Apokalyptischen Reitern mit der Nonchalance von z.B. Placenta verheiratet.

Übrigens mit einer textlichen Reminiszenz versehen ist  ‚Artfremd‘ „..dies ist der emotionale Gesangspart…“ ist der Gruß an das Stück ‚Tanzt‘ von Placenta… Überhaupt ist diese Nummer eines der absoluten Hochlichter der Scheibe. Ziemlich besorgniserregend eskaliert der Electro Mosher ‚Nichtgestalt‘ und niemand kann es verhindern… Sehr intensiv!

VERDERVER sind aufgrund ihres morbiden Duktus ein verdammt harter Brocken, die Stücke teilen aus, Spucken und wüten, schlagen die Fresse zu Fritten, umgarnen kurz und treten Dir dann in die Eier. Wer aber das Jahr 2020 mit einem wirklich außergewöhnlichen Album starten will, der muss „Weltunter“ haben! ‚Apathie‘ beginnt gar in einem knochentrockenen Brutal Death Milieu, bricht dann aber schnell aus und ergeht sich in einem Wahn aus vertrackten Rhythmen und völlig entrücktem Gesang. Während der letzten 3-4 Stücke wüteten VERDERVER eher metallisch-grindig daher, ‚Befall‘ bricht mit einem coolen Elektronika Beginn die stilistische Breite des Albums wieder auf, Break Downs, Abstürze, Euphorie, all das ist VERDERVER. Beim pumpenden Industrial Monster ‚Nadir‘ macht dann auch noch Nikita Kamprad von Der Weg Einer Freiheit mit, ein starker Abschluss, der klar macht: Wer mutige Musik sucht, die auf einer Meta Ebene ebenso wie ganz profan im Eskalationsmodus funktioniert, der muss diese neuen Heilsbringer des Crossover des neuen Jahrzehnts kennen!

9 Points. Erscheint am 10.01.2020



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